Random thoughts, slight overthinking, and unfinished conclusions but my first text here ….. enjoy it
2019 habe ich Indien besucht. So fangen die meisten Healing Journals an. Oder sie beginnen mit der traurigen Trennung einer Person oder gar doch einer dringenden Auseinandersetzung mit dem eigenen Ich und dessen Leben, das man sich für dieses Ich zusammengebaut hat. Um ehrlich zu sein, habe ich 2019 ohne einen gewissen Grund Indien besucht. Aus Neugierde, aber auch vor allem, um anders zu sein als andere 19-Jährige. Nun denn, um den romantischen Part noch unromantischer zu gestalten: Als ich dort war, habe ich die meiste Zeit nur gekifft. Wir saßen an einem wunderschönen Strand. Die Sonne war verdeckt von den Wolken. Tropische Atmosphäre, die Stühle waren feucht und die Körper verschwitzt. Eine ruhige und vor allem eine egal Atmosphäre.
An diesem Ort in Goa (am Baga Beach) war alles nur egal. Das Alter in dieser egalen Welt spielte natürlich eine große Rolle, doch auch die Stimmung dort war nur eine graue und fast positiv gedrückte. Wir schauten den ganzen Tag raus auf das Meer. Wir saßen unter einem Verdeck. Die Stühle waren tief gelegt, mit schönen, bunten, gemütlichen Polstern.
Wir bestellten jede Stunde ein neues Gericht zum Ausprobieren und dazu jede Menge Sunrise Tequilas. Manchmal mit, manchmal ohne Alkohol. Die Portionen der Gerichte waren perfekt, um jede Stunde wieder neu hungrig zu sein. Das Hash von Indiens bestem Hippie-Weed-Boy am Strand führte ebenfalls dazu, dass der Hunger uns nie verließ.
Wir hatten keinen Ort, an den wir gehen mussten, oder gar eine Verpflichtung. Keine Liste, die wir uns aufschrieben, um doch nochmal hier etwas zu erleben oder etwas Neues kennenzulernen, was man ja unbedingt in fremden Ländern tun sollte. Alles war hier an diesem Strand.
Musik lief, die wir nicht aussuchten. Es war jeden Tag dieselbe Musik, die mich in Trance versetzte.
Unsere Gespräche wurden von belanglos zu Gesprächen darüber, dass wir auf diesem Planeten Zeit verbringen, die wir beide das erste Mal erleben.
Kindheit, Erwachsenenträume, Teenagerjahre und alte Seelen verbündeten sich an diesem Ort in uns beiden und wir sprachen über uns. Über die Welt. Es war so bedeutend belanglos, dass ich mich schlecht daran zurückerinnern kann, was wir genau sprachen.
Während ich diese Zeilen tippe, kann ich nur die schwüle Luft auf meiner Haut spüren, die wohltuende, nicht häufig kommende Brise und die Weite, auf die ich aufs Meer blicken durfte.
Wie entspannt ich dort war. Wie mein Nervensystem nicht mal einen Murks machte.

Die Schwierigkeit, aus dieser träumerischen Malerei, die ich erleben durfte, nun den Sprung zu dem Konflikt herzustellen, den man natürlich immer in sich hat, wenn man einen längeren Text schreibt, fällt mir schwer. Doch ich muss da durch.
Warum ich diese Erinnerung wieder hochholen muss, ist die unglaubliche Wichtigkeit, die ich meiner Zeit danach nun zuschreibe. Und diese Wichtigkeit, nervt mich ein wenig.
Ich bemerke, wie viele Tage, die ich verbringe, immer weiter darauf ausgerichtet sind, die Zeit richtig zu nutzen. Meine Prioritäten zu verfolgen und keine Zeit zu verschwenden.
Hinter dem Wort „richtig ausnutzen“ liegt Folgendes: Jede Aktivität, die ich mache, muss einen nachhaltigen Grund haben.
Entweder muss ein charakterlicher Erfolg daraus entstehen oder ein beruflicher oder ein körperlicher.
Es muss auf jeden Fall (und jetzt kommen wir zu dem Wort) mich optimieren. Besser machen.
Was ist daran jetzt genau der Konflikt? Das hört sich eigentlich menschlich und richtig an.
Doch die Rastlosigkeit in dieser neuen Zeit lässt mich stark erschrecken.
Und auch die immer wiederkehrende Suche nach einem weiteren Problem, das ich verbessern kann, oder einer Schwachstelle innerhalb meines Körpers oder meines Lebens lässt mich schaudern.
Rastlosigkeit ist wahrscheinlich ein relativ häufiges Phänomen bei Menschen in jungen Jahren.
Doch muss das nicht der Grund sein, darüber hinwegzuschauen.
Denn auch dieser Text ist tatsächlich ein Versuch, etwas besser zu machen, und zwar die De-Stabilität, die diese heutige Welt uns auferlegt.
De-Stabilität, was meine ich damit?
Wir Menschen sind teil eines Kreislaufes der darauf ausgerichtet ist, viel zu schaffen in kurzer zeit.
Unkonzentriertheit und Schnelligkeit werden ein Team gegen Langeweile und ruhige Momente.
Ein Film, der längere Sequenzen als eine Minute hat, verliert seinen Wert und die Aufmerksamkeit. Ein Bild ist wichtiger als der Moment, in dem das Bild entstand. Die schnellen Erledigungen, die man am Handy noch machen kann, werden wichtiger, als die Straße herunterzulaufen und durch die Gegend zu schauen.
Meine Agenda ist nicht, unseren Zeitgeist schlechtzureden oder gar zu arg zu kritisieren. Es hat immer seinen Sinn und seine Begründungen für neue Zeiten und für Veränderung. Veränderung ist wichtig.
Aus diesen neuen Veränderungen entstand in mir ein neues Gefühl der absoluten Überforderung. Viele Welten gleichzeitig zu befriedigen, fällt mir normalerweise nicht schwer. Doch ich verlor mich und mein Wesen in den ganzen Aufgaben, die ich mir selbst auferlegte, um schneller und besser zu sein und mehr Trends zu verstehen. Schneller als andere zu sein und trotzdem dabei ein erfülltes Leben zu spüren.
Denn wie einem als Europäer bewusst sein sollte, haben wir ein geografisches Privileg, welches wir auch nutzen sollten. Jeder Tag kann und sollte schön sein. Dafür haben die Generationen vor uns doch gekämpft.
Wie man als Leser:in wahrscheinlich gerade mitbekommt, springe ich von Thema zu Thema. Um Ruhe in diesen Text zu bringen, brauchen wir aber noch einige Sätze.
Optimierung von Gedanken oder Erlebnissen wird immer besser. Man muss heutzutage nicht mehr durch Dummheit und Naivität durchs Leben strotzen. Ich stelle Dummheit und Naivität nicht unter die negativen Worte. Ich stelle sie hiermit ganz bewusst in ein positives Licht. Denn durch Naivität und Dummheit erleben Menschen.
Jeder von uns ist das erste Mal hier. Wir dürfen dumm und naiv sein. Wir sollen aus unseren Fehlern lernen, das ist gewiss.
Man hat durch ai tagtäglich einen Begleiter, der schlauer ist als man selbst, wenn man denn die richtigen Fragen stellt. Ich merke das ich neugieriger werde und jede Kleinigkeit perfekt ausformuliert haben möchte. Das geht einher mit Ungeduld. Ich möchte schnell antworten auf jede frage. Länger in einem gefühl zu schwelgen bereitet mir angst, weil ich dann nichtmehr funktionsfähig bin für die wirklichen aufgaben im leben wie meine to do liste oder die Visionen die ich mir vorstelle für mein zukünftiges ich. Dies breitet Ungeduld in mir aus. Ungeduld + verdrängen + Visionen ist der killer jeder erfüllten ziele.
„Könnte ich mein Leben nochmals leben, dann würde ich das nächste Mal riskieren, mehr Fehler zu machen …“ – Nadine Stair
(wird im Internet oft fälschlicherweise Rilke zugeschrieben. Der Text geht auf einen englischen Originalbeitrag mit dem Titel „If I Had My Life to Live Over“ zurück, der 1978 in den USA veröffentlicht wurde und der US-Amerikanerin Nadine Stair zugeschrieben wird.)
Heutzutage werden Fehler entweder direkt ausgebessert und versucht nie wieder zumachen. Es wirkt fast verboten, Fehler zu begehen. Ich will nicht zu dogmatisch klingen. Wenn sich dies irgendwann zu harsch anhören sollte, bedenke bitte, dass ich über diese Thematik schon lange nachdenke und manchmal traurig werde, wenn man Menschen eine Perfektion zuschreibt, die sie doch gar nicht erfüllen können.
Die Frage „De-Stabilität, was meine ich damit?“ wurde noch nicht wirklich beantwortet.
Nun denn, was meine ich damit?
De-Stabilität ist das Gefühl, dass sich die Welt schneller verändert, als unsere Psyche sich anpassen kann.
Durch die vielen Welten, in denen wir uns bewegen, entstehen Prozesse und eine Schnelligkeit, die wir noch überhaupt nicht erfüllen können. Wir sind das erste Mal mit so viel Technologie konfrontiert. Wir sind Versuchskaninchen dafür, wie der Mensch in Zukunft damit umgehen kann und wird.
Dies soll nicht verschwörungstheoretisch klingen. Es geht nur darum, dass wir (genauso wie Menschen Vapes rauchen) noch gar nicht wissen, was die Langzeitfolgen sind für eine Schnelllebige Gesellschaft, die unkontrollierter den je rast.
Wieso schreibe ich darüber und was ist der Sinn, den ich daraus ziehe?
2025 kam ich zu dem Entschluss, dass ich ein Sabbatjahr möchte, um mich meinem Geist und meinen Wünschen hinzugeben und vor allem auch der gelebten Einsamkeit oder der Langeweile.
Ich wollte erfahren, was passiert, wenn mir langweilig ist.
Ich bemerkte, dass es mich fast schon sauer macht, wenn Menschen mich fragen, was ich denn irgendwann sein möchte. Ich bin ja nicht irgendwann wer, sondern ich bin schon.
Und ich möchte nicht irgendwann einen Traum erfüllt haben. Ich möchte das Gefühl haben, dass ich ihn schon lebe, oder mittendrin bin. Bei den meisten fühlt sich einen träum zu erfüllen manchmal an wie das ende.
Mir wurde bewusst, dass es dieses Ende gar nicht gibt. Also dieses Gefühl von: „Ah, jetzt habe ich meinen Traum und jetzt kann ich chillen.“ Dieses „Wenn ich das fertig habe, dann kann ich chillen.“
Dieses Gefühl ist ein Trugschluss.
Wenn ich nämlich etwas fertig habe, kommt Chillen. Und dann kommt aber auch das Nächste.
Somit ist der Zustand des Chillens gar nicht so 100% chillig. Beziehungsweise nicht dieses vollkommene Gefühl, das man sich wünscht.
Ich lernte für mich, dass das Ende der Tod ist.
Und bis dahin geht es immer weiter. Es geht auf und ab und kein Zustand ist für immer
(„Immer“ ist eh ein Wort, das ich mir abtrainieren sollte).
Der Tod ist die einzige Vollkommenheit, die wir als Menschen haben.
Die wir nur leider nicht erleben dürfen.
Somit lerne ich gerade, dass ich nicht alles schnell machen muss. Dass ich nicht alles gleichzeitig erleben muss und dass ich mir Zeit lassen darf. Dass ich mir meinen Tag so gestalten sollte, dass ich schon lebe und nicht alles erledigen muss, um dann zu leben. Das hört sich einfacher an, als es ist.
Und es hört sich sehr basic an; doch auch Kalendarsprüche haben es drauf.
Nun denn, ich lerne, dass ich Stabilität in mir drin brauche, um die De-Stabilität der Welt auszuhalten und mit dieser umzugehen. Ich lerne, dass der Mittelpunkt von allem, was ich besitze, nur ich bin. Ich kann mein Umfeld nicht kontrollieren. Ich kann nur versuchen, mich selbst zu entdecken und in mir die Erfüllung zu suchen. Auch wenn man als Mensch seine Träume erfüllt, heißt es nicht, dass es das Gefühl ist, das man sich erträumt hat.
Und ist es dann noch die „Traumerfüllung“?
Auch wenn ich alles erreicht habe an Zielen, die ich mir in einem Jahr auferlegt habe, heißt es nicht, dass ich es auch so fühle. Der Traumkörper, den ich mir vor einem Jahr vorgestellt habe, ist nun da.
Erlebe ich ihn als das?
Nein.
Warum?
Weil ich mehr will.
Zufriedenheit lässt sich nicht erreichen durch Güter, die ich mit meinen Augen sehe. Natürlich ist Konsum ein toller ad-on für die Vision die ich immer wieder für mich weiter formuliere. Es ist als würde ich mich schmücken und der welt kenntlich machen. Das größte high was man sich doch als Mensch vorstellen kann, ist dann doch die völlige Authentizität in sich und der Wunsch sich nicht durch Anerkennung von anderen beeinflussen zu lassen. Das was zählt ist die Stabilität in mir selbst. Die Anerkennung die ich selbst für mich habe. Das vertrauen was ich mir tagtäglich entgegen bringe.
Wir erleben Zufriedenheit nur in uns selbst, das kann uns keiner von außen geben. Ein Gefühl von Ruhe macht sich breit, wenn wir Zufriedenheit erfahren. Zufriedenheit geht nicht weg, wenn sie erst einmal wirklich aufgebaut ist (ja das dauert bestimmt Jahrzehnte). Sie bleibt wie eine starke Brücke über einem Fluss, der wild herumtoben kann. Also ist mein nächster Traum Zufriedenheit?
Kann schon sein.
Paradox, aber besser als wenn mein nächster Traum wieder ist: in einer Woche so viel geschafft zu haben, wie es nur geht.
Ich saß vor einigen Tagen im Taxi. Der Taxifahrer war der zufriedenste Mensch, den ich seit Monaten erleben durfte. Seine Augen strahlten eine Ruhe und eine Art Glück aus. Ich vertraue diesem Menschen, dass er, egal wo er ist und welche Lebenslage er ertragen muss, immer wieder versucht, zu seiner Mitte und seiner Zufriedenheit zurückzufinden. Das fand ich schön. Und ja, Klischees über Klischees, dass die junge Frau jetzt das Leben eines einfachen alten Mannes romantisiert. Ich verstehe schon. Doch auch Klischees haben ihre Gründe und vielleicht sollte man sich mehr damit befassen, welche Wünsche man in diesen Romantisierungen eigentlich erkennt.
Es geht mir auch nicht darum, dass ich jetzt die Zufriedenheit haben will, die ich in diesem Mann gesehen habe. Doch kann es mich antreiben, Ruhe in mir selbst zu finden und eine Erfüllung in mir, die mir die Außenwelt nicht geben kann.
Ich möchte Fehler machen und diese auch ausbaden. Ich möchte erleben und entdecken.
Ich möchte Schmerz fühlen und keine Angst haben, mich für immer zu verlieren. Weil das nicht passiert. Man verliert sich nicht einfach so. Es passiert nicht, solange ich für mich entscheide, meinem inneren Kern Stabilität durch Vertrauen in den Moment zu geben.
Vertrauen darauf, dass ich es gut mit mir meine. Die Welt kann untergehen und trotzdem werde ich mich in mir drin wohlfühlen.

xx seli

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